...beurteilt die dänische Königin Gertrude den Geisteszustand ihres Sohnes Hamlet in der Inszenierung am Schauspiel Stuttgart.
Nach dem Besuch der Shakespeare-Komödie „Wie es euch gefällt“ während der Wien-Studienfahrt im Herbst 2025 stand nun am letzten Abend der Osterferien für einige Schülerinnen und Schüler des Leistungskurs Englisch erneut ein Shakespeare-Stück auf dem Programm: „Hamlet – in deutscher Sprache und mit englischen Übertiteln“ im Stuttgarter Schauspielhaus.
Hamlet ist nicht nur die längste, sondern auch eine der bekanntesten Tragödien Shakespeares und angeblich die meistzitierte. Hamlet führt uns in die Abgründe des dänischen Königshauses („Etwas ist faul im Staate Dänemarks.“ / „Something is rotten in the state of Denmark.“; I,4): Claudius vergiftet seinen Bruder, den König, und heiratet binnen kürzester Zeit seine Schwägerin Gertrude, um selbst den Thron zu besteigen. Der ermordete König erscheint seinem Sohn Hamlet aund fordert diesen auf, Rache für den “schmöden, unerhörten Mord“ („Murder most foul“; I,5) zu nehmen, was den jungen Mann, der ohnehin unter dem Verlust des Vater leidet, verständlicherweise in eine weitere tiefe Krise stürzt. „Die Zeit ist aus den Fugen.“ / „The time is out of joint.“ (I,5), urteilt der Dänenprinz.
Die Stuttgarter Inszenierung von Burkhard C. Kosminski und mit Franz Pätzold in der Titelrolle besticht mit einer Mischung aus modernen und traditionellen Mitteln. In der Eingangszene erklingt nach einem Glockenschlag „Hells Bells“ von AC/DC, dargeboten vom Totengräber 1 (Klaus Rodewald), der immer wieder mit seiner markanten und tiefen Stimme zwischen den Akten singt. Zerbrechlich schön und ergreifend wird die Atmosphäre, wenn auf der Bühne eine Instrumentalversion von Simon und Garfunkels „Sound of Silence“ erklingt.
Zahlreiche Videoprojektionen, welche Mimik und Gestik um ein Vielfaches vergrößert auch in unserer letzten Parkettreihe deutlich sichtbar machen, knüpfen an unsere modernen Sehgewohnheiten an, während die Sprache (deutsch von Jürgen Gosch und Angela Schanelec) einen krassen Kontrast bietet – ab und an hilft dann der Blick in die englischen Übertitel, um das Gehörte besser zu verstehen.
Die vielen stimmigen Wechsel zwischen Tragik und Komik zeichnen die Inszenierung aus: Hamlet, der vorgibt dem Wahnsinn verfallen zu sein, bietet viele Anlässe, für ein erleichtertes Auflachen. Bisweilen ist es aber auch Zynik, die für Erheiterung sorgt, wenn beispielsweise König Claudius den Abgang Hamlets, der gerade noch das Titellied von „Bibi und Tina“ trällert, mit „Hauptsache er hatte ‘ne gute Kindheit!“ kommentiert und gleichzeitig eine Intrigie schmiedet, den Neffen ermorden zu lassen. Ganz anders die Stimmung beim berühmten Monolog „Sein oder nicht sein“ / „To be or not to be“ (III, 1): Hier lauscht das Publikum gebannt und völlig still den Worten des traumatisierten jungen Mannes.
In Shakespeares Tragödien sterben verlässlich alle wichtigen Figuren – bisweilen in rasanter Abfolge, denn frei nach Voltaire: wer eine Tragödie überlebt, ist nicht ihr Held gewesen. So endet auch Hamlets Leben und gleichsam die Inszenierung mit einem weiteren berühmten Zitat („Der Rest ist Schweigen.“ / „The rest is silence.“; V,2) bevor der verdiente Applaus im Schauspielhaus erklingt. Während ein Teil unserer Gruppe sich verschämt nach draußen stiehlt, um den Zug nach Pforzheim zu erwischen, klatschen die anderen beherzt und begeistert weiter.
Vielen Dank für einen wunderbaren Theaterabend!
Birgit Heike Knobloch, 12. April 2026


