Wer bin ich – und wer will ich werden? Diese scheinbar einfachen Fragen können uns ganz schön ins Grübeln bringen. Doch genau hier beginnt Berufsorientierung: nicht mit Formularen, nicht mit Lebensläufen, sondern mit dem Blick nach innen. Davon ist Tanja Hohl, Personalreferentin und Ausbildungsleiterin bei La Biosthétique in Pforzheim, überzeugt.
Im Oktober 2025 nahm sie unsere 10. Klassen mit auf eine zweistündige Reise durch die Welt der Bewerbung – lebendig, praxisnah und mit zwei KI-Avataren namens Mia und Max, an deren Beispiel sie gemeinsam mit den Schüler:innen Schritt für Schritt erarbeitete, worauf es wirklich ankommt. Ein klassisches Anschreiben besteht aus Deckblatt, einem maximal einseitigen Motivationsschreiben („Nicht länger!“, betont Hohl), Lebenslauf und Zeugnissen. Doch all das bleibt oberflächlich, wenn man sich vorher nicht mit den eigenen Interessen, Stärken und Wünschen beschäftigt hat.
„Überlegt euch jetzt schon, wo ihr 2029, wenn ihr euer Abitur macht, stehen wollt!“, fordert sie die Schüler:innen auf. Unterstützung könne man sich holen – bei Familie, Freunden, Lehrkräften, Berufsberater:innen. Am Ende aber gehe jeder seinen eigenen Weg. Und dieser beginne am besten früh: „Fangt rechtzeitig an!“
Das passt gut zum Schuljahr, denn Klasse 10 steht ganz im Zeichen der Berufsorientierung; im Frühjahr wartet das BOGY-Betriebspraktikum. Praxiserfahrungen sind für Hohl wichtig – ihr Appell: „Seid mutig – schnuppert in verschiedene Berufe!“ Begleitet und ergänzt wurde der Workshop durch Michael Kinzel, Berufsberater der Agentur für Arbeit, der gemeinsam mit den Klassen an ihren „Traumberufen“ arbeitete.
Ein Rat von Tanja Hohl blieb besonders hängen: Stellenanzeigen genau lesen und Bezug zum Unternehmen nehmen. Wer sich bewirbt, sollte klar zeigen, warum man zur ausgeschriebenen Stelle und zum Unternehmen passt. „Ich frage im Bewerbungsgespräch gerne nach unserem Unternehmen“, warnt Hohl.
Für die Kursstufe ging es im November weiter: Mihael Mustač, professioneller Bewerbungscoach von Rhetorican, führte interessierte Schüler:innen aus den Klassenstufen 12 und 13 bereits zum zweiten Mal durch ein praxisnahes Training. Auch er verwies auf den Blick nach innen.
Berufsorientierung bedeutet, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen – aber sie beginnt mit ehrlichen Fragen an uns selbst. Wer bin ich? Was kann ich? Wohin möchte ich? Vielleicht ist jetzt der richtige Moment, sie sich (noch einmal) zu stellen.
Philipp Müller, 13. November 2025





